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Hilde Willes - Rezensionen zu ihren Büchern

Leserbewertungen zu "Späte Entscheidungen - Verstörende Fragen"

Sterne *****

Nimm es leicht....von einer Kundin/einem Kunden aus Osterode am 13.12.2020Bewertet: Format: eBook (ePUB)

Das Cover zeigt eine der Hauptfiguren und ist, wenn man das Buch gelesen hat, genau die richtige Wahl gewesen...denn dies hier ist ein toller Roman, mit Schicksalen, die für den Moment zwar nur angedeutet sind, aber trotzdem unter die Haut gehen. Ganz im immerwährenden Stil der Autorin mit Melancholie, Augenzwinkern, Charme und Esprit über Frauen in den besten Jahren geschrieben. Wer Hildes Bücher kennt, wird wissen, was ich meine. Denn auch hier nimmt uns die Autorin mit auf eine Reise in die Vergangenheit, die Gegenwart und vielleicht auch die Zukunft entlang der Lebenslinien von ein paar sehr unterschiedlichen Menschen. Diesen hat sie hervorragend Leben eingehaucht, Tiefe und Charakter verpasst und jede mit einer grandiosen und bewegenden Geschichte ausgestattet. "Leider" hat sie es königlich verstanden den Leser zu fesseln, ihn dazu zu bringen sich eigene Gedanken zu machen, mit den Frauen zu leiden, zu fühlen, zu denken und ja, auch zu weinen...denn hin und wieder erkennt man sogar leichte Parallelen zum eigenen Leben. Während der Verlauf der Handlung mehr oder weniger dem Kennenlernen der einzelnen Figuren und deren Lebensumständen dient, macht das Ende des Buches etwas ratlos, dann fast schon eingeschnappt, zum Schluss aber super neugierig auf den zweiten Teil. Der Autorin gelingt mit ihrem frischen, lebensbejahenden und doch tiefsinnigen Schreibstil ein hervorragendes Porträt einer Gruppe von Menschen, die die Hälfte ihres Lebens bereits hinter sich haben und sich nun die Frage stellen, ob das alles war.. 

Quelle: thalia.de

Sterne *****

von einer Kundin/einem Kunden aus Rankweil am 22.03.2020 Bewertet: Einband: Kunststoff-Einband

Sie waren in der Schule eine Clique – Freundinnen, die das gemeinsame Klassenziel verband. Jetzt, 32 Jahre später wurden Ziele nicht erreicht, blieben Wünsche unerfüllt und sind Träume zerplatzt. Da ist die Journalistin Katja, beruflich erfolgreich, doch privat zerrissen, gebunden an den verheirateten Chris. Sandra ist mit ebendiesem Chris verheiratet, hat drei Kinder und versteckt sich hinter einer kühlen Fassade. Ela hat die Last von vier Kindern und einem lieblosen Mann aufquellen lassen, aber die Fettschicht schützt leider nicht vor Verletzungen. Und dann ist da noch Meldrid, die aus dem ›Kleinstadtmief‹ in die Großstadt gezogen ist. Ist sie dort glücklicher? Die Idee vom Klassentreffen wird geboren, auf einmal werden alte Erinnerungen wach und ein Geheimnis steht erneut im Raum, ein dunkles, von Julie, jener Klassenkameradin, die damals den Freitod gewählt hat. Warum? ----------------------------------------------------------------- Es ist ein melancholisch-düsteres Szenario, in das ich – von der Autorin eher ungewohnt - geworfen wurde. Man befindet sich in einer Kleinstadt mit all ihren Vor- und Nachteilen. Da gibt es die schön bunten Fassaden, die Masken, die man der Welt zeigt und das Brüchige, Unordentliche, Desolate dahinter. Eines der besten Kapitel war für mich der 50. Geburtstag von Sandra, die ihren Mann Chris im Griff hat und doch nicht sieht, was sich vor ihrer Nase abspielt. Bei den Gästen sind keine echten Freunde darunter – es wird der Maßstab angelegt, wie ›nützlich‹ kann mir der/diejenige werden und unter diesem Aspekt Kontakte geknüpft. Chris, der Ehemann, der sich nicht traut, aus der konservativen Enge des bürgerlichen Reglements auszubrechen. Katja, die ihr Leben lang nach etwas greift, das sie nie erreichen kann und Mel beneidet, die in der Großstadt Hamburg lebt. Viele Personen, Handlungsstränge und Blickwinkel – jede/r hat sein Päckchen zu tragen. Die verschlungenen Ereignisse aus Gegenwart und die Rückblenden in die Vergangenheit faszinieren und ich wollte mehrmals aufschreien, weil das Hinter-die -Zeilen-Gucken nicht ausreicht, um alle Fäden verknüpfen zu können. Die Autorin versteht es, wie keine Zweite, mit Worten und Formulierungen zu spielen. Man möchte wissen, wie es weitergeht, natürlich! Und doch fühlte ich mich irgendwie mittendrin, im Leben, das so unvorhersehbar ist, so scheint es logisch, dass man erst in einem oder zwei Jahren wieder draufschauen kann, wie sich alles entwickelt hat. Die Autorin besticht durch einen flüssig-klaren Schreibstil, gewürzt mit Sequenzen von Humor und Zitaten von Persönlichkeiten oder aus Liedern, die gut dazu passen. Aber besonders lebendig wird es durch die fantastisch ausgearbeiteten Figuren. Alle sind so plastisch dargestellt, dass ich ein Bild vor mir hatte, jede/r hat sein Päckchen zu tragen und irgendwie konnte ich für jede Person, – auch für die ›ätzenden‹- Verständnis entwickelt habe. Das machte für mich das Lesen zum Genuss! ---------------------------------- Es ist eine Momentaufnahme, melancholisch, traurig und doch nah der Wirklichkeit. Nichts wird aufgeklärt, alles bleibt offen, Hoffnung, Desaster oder vielleicht Liebe? Ich bin gespannt und und freu mich auf die Fortsetzung – kann es allen, die tiefgründige Literatur mögen, wärmstens empfehlen.

Quelle: thalia.de