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Porträt Markus Gerwinski

Markus Gerwinski, geboren 1972 in Essen, veröffentlichte bereits als Jugendlicher SF- und Fantasy-Geschichten in Fanzines. Hauptmotivation für sein Physikstudium war das Streben nach einem fundierten Hintergrund für seine Science Fiction. In der Fantasy lebt er seine Leidenschaft als Hobby-Historiker aus und verarbeitet auch gern persönliche Erfahrungen. ("Ich schreibe am liebsten über Ungeheuer, gegen die ich schon selbst gekämpft habe.")

Seit 2011 konzentriert sich Markus Gerwinski ganz auf seine künstlerischen Tätigkeiten. Neben dem Romanschreiben betätigt er sich unter anderem als Zeichner und, gemeinsam mit seiner Frau Sandra Gerwinski, als Rollenspieldesigner. Er lebt mit ihr und dem gemeinsamen Sohn in Stade.

Kommentar der Autorenecke:

Markus Gerwinski ist für das Portal als Mensch und Schriftsteller eine Bereicherung. Seine Bücher im Genre Fantasy sind ein Beleg, dass diese Literatursparte nicht nur eine Geburtsstunde für Fabelwesen sein muss, sondern durchaus auch lehrreich sein kann. In seinen Werken sticht bereits nach wenigen Absätzen dem Leser ins Auge,  mit welcher Hingabe der Autor seine Geschichten lebt und schreibt.



Fragen an Autor Markus Gerwinski

Bist du Selfpublisher, Verlagsgebunden oder ein Hybridautor?

Seit 2016 Selfpublisher. Davor war ich ca. 20 Jahre lang Verlagsautor (bei wechselnden Verlagen).

Was hat dich zum Schreiben bewogen?

Die Berufsaussichten für Comiczeichner waren zu schlecht.

OK, etwas ausführlicher: „Geschichten erzählen“ wollte ich eigentlich schon im Kindergarten. Damals war ich vor allem von „Asterix“ begeistert und wollte später mal Comics zeichnen. Erste Gehversuche in der Prosa folgten mit 9, nach der Lektüre eines Science-Fiction-Groschenromans.

Ernsthafte Ambitionen, professionell Romane zu veröffentlichen, verdanke ich meinem Lieblingshobby, dem Pen&Paper-Rollenspiel. Als Teenager spielte ich in einer wirklich tollen Runde mit und wollte für den Spielleiter als Geburtstagsgeschenk „mal kurz zusammenschreiben“, was ich bei ihm so erlebt hatte. Wie ich während des Schreibens feststellte, hatte ich schon ziemlich viel erlebt und erst ein Jahr später, zum nächsten Geburtstag, überreichte ich ihm einen fertigen Roman. Seine begeisterte Reaktion und die meiner Mitspieler bewogen mich dann endgültig, meine nächste Geschichte für eine Veröffentlichung bei einem Verlag zu schreiben.

Welchen zeitlichen und/oder finanziellen Aufwand hast du betrieben, um dir den Traum von einem veröffentlichten Buch zu erfüllen?

Zunächst einmal: vier fertige Romane praktisch „zum Üben“ geschrieben, bevor es der fünfte endlich auf den Buchmarkt schaffte.

Und auch da genügte es nicht, das Manuskript einzusenden und zu warten. Ich hatte mich vorher in der VHS Essen beim Fachleiter für Literatur erkundigt, was ich bei der Einsendung an einen Verlag zu beachten hatte. Jahrelang war ich abwechselnd auf die Frankfurter und die Leipziger Buchmesse gefahren, um persönlich mit Lektoren ins Gespräch zu kommen. An meine erste Veröffentlichung kam ich letzten Endes über mein Networking mit anderen Jung-Autoren: Eine Freundin hatte einen „heißen Tip“ und empfahl mich einem Kleinverlag, bei dem dann auch mein erster Vertrag zustande kam.

Der finanzielle Aufwand beschränkte sich damals auf Zugtickets und Eintrittskarten für die Messebesuche. Im regulären Verlagsbetrieb liegen alle Investitionen in die eigentliche Veröffentlichung bei den Verlagen. Erst, seitdem ich ins Selfpublishing gewechselt bin, muss ich mich um solche Dinge wie Lektorat, Coverillustrationen etc. selbst kümmern und dafür bezahlen. Dank Print-on-Demand-Anbietern liegen diese Investitionen aber pro Jahr nur im dreistelligen Bereich.

Bist du mit deinen Büchern zufrieden oder gibt es etwas, was du im Nachhinein lieber anders gemacht oder erzählt hättest?

Sowohl als auch. Im Nachhinein fallen mir nach einer Weile an jedem Buch noch handwerkliche oder logische Fehler auf, von denen ich natürlich wünschte, dass ich sie vermieden hätte. Trotzdem bin ich damit zufrieden, denn das Buch repräsentiert mein Können zu dem Zeitpunkt, als ich es geschrieben habe. Anhand meiner Bücher kann ich auf diese Weise auch meinen Lernprozess nachvollziehen.

Welcher Aspekt macht dein Buch subjektiv gesehen besonders?

Das ist bei jedem meiner Bücher etwas anderes. „Das Lied der Sirenen“ etwa ist in einer Zeit entstanden, in der ich mit inneren Dämonen zu kämpfen hatte, denen ich beim Schreiben greifbare Gestalt als Ungeheuer gegeben habe. Jeder von uns kann ihnen im Alltag begegnen und sie dürften manchem Leser vertraut erscheinen.

Dagegen ist an der „Falkenflug“-Trilogie allein schon die pure Lebendigkeit der Geschichte besonders. Meine „mittelalterliche“ Fantasy-Welt wurde schon von mehreren Rezensenten für ihre Authenzität gelobt. Zu der Seeschlacht in Band 3 wurde ich sogar gefragt, ob ich schon einmal selbst in eine verwickelt war, da sie so echt wirkt. Und die schiere Leidenschaft meiner Protagonisten reißt sowohl viele Leser als auch mich selbst jedes Mal mit.

Was war für dich die größte Herausforderung bei deinem Erstlingswerk?

Das kommt ein wenig darauf an, welches wir als mein „Erstlingswerk“ ansehen. Das erste meiner Bücher, das tatsächlich von einem Verlag angenommen wurde, war mein Science-Fiction-Roman „Mjöllnirs Erben“. Hier bestand für mich die größte Herausforderung in der Recherche über Sekten.

Wie viele Bücher hast du bisher veröffentlicht und in welchen Genres bist du unterwegs?

Bislang sind es fünf Romane (von denen vier noch erhältlich sind) sowie zwei Bücher zum Pen&Paper-Rollenspiel. Alles, was derzeit von mir auf dem Markt ist, gehört zur heroischen Fantasy. Mein Erstlingswerk „Mjöllnirs Erben“ war Science Fiction, ist aber schon seit vielen Jahren vergriffen.

Welches deiner Bücher liegt dir besonders am Herzen und warum?

Die „Falkenflug“-Trilogie. Es ist die mit Abstand leidenschaftlichste und gefühlvollste Geschichte, die ich je geschrieben habe. Ich war beim Schreiben ungeheuer inspiriert und meine Hauptpersonen vibrierten so sehr vor Eigenleben, dass ich die Handlung gar nicht bewusst zu plotten brauchte. Im Grunde musste ich nur mitschreiben, was sich vor meinem inneren Auge ganz von selbst abspielte.

Wann dürfen die Leser ein neues Buch erwarten und kannst du uns mehr dazu verraten?

Aktuell schreibe ich an einer Science-Fiction-Trilogie unter dem Titel „Der Sagittarius-Krieg“. Voraussichtlich im Sommer 2022 erscheint Band 1: „Gefangene der Wahrhaftigkeit“. Gern zeige ich hier vorab schon mal den Klappentext:

Das Supremat: ein Sternenreich, dessen Kolonieplaneten von unsterblichen Göttern auf dem Niveau der Antike gehalten werden. Götter, die in Wirklichkeit Raumfahrer sind, die durch relativistische Flüge und Cryoschlaf kaum altern, während auf ihren Planeten Jahrzehnte vergehen.

Die Justizunion: ein Planetenbund im Schatten der wachsenden Macht des Supremats. Die Raumflotte der Union ist alles, was zwischen ihnen und dem eroberungswütigen Sternenreich steht. Freiwillige dienen auf den Schiffen in dem Bewusstsein, ihre Heimat vielleicht um Jahrhunderte gealtert vorzufinden – wenn sie jemals zurückkehren.

Will die Union eine Chance haben, das Supremat zurückzudrängen, dann muss sie in der Lage sein, dessen Macht auf den Planeten zu brechen. Wie aber wiegelt man ein antikes Volk gegen seine Götter auf?

Als die junge Suprematin Loralys in die Gefangenschaft der Justizunion gerät, wird sie zur Schlüsselfigur für den weiteren Verlauf des Krieges ...


Die Bücher von Markus Gerwinski


Der Mensch hinter dem Autor

Was magst du und was nicht?

Ich mag: meine Familie, Zusammensein mit Freunden, Spaziergänge, Berge, Schokolade, gute Geschichten, Musik, aktiv sein.

Ich mag nicht: warten müssen, Hektik, Fernseher als Hintergrundberieselung, Zwänge, Badeurlaub, die meisten alkoholischen Getränke.

Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Als freundlich, ehrlich, zuverlässig und sehr, sehr eigensinnig. In einer Sache, die mir wichtig ist, gebe ich niemals auf.

Was sind deine Stärken und Schwächen?

Stärken: Intelligenz, Ehrlichkeit, ein kühler Kopf in (unpersönlichen) Gefahrensituationen und nicht zuletzt meine Unvoreingenommenheit. Ich habe zwar meine Vorurteile, bin aber gut darin, darüber hinwegzusehen und sowohl jedem Menschen als auch jedem neuen Gedanken eine Chance zu geben.

Schwächen: Mangel an Geistesgegenwart, leichte Schusseligkeit und meine Ungeduld mit Menschen, die ihre Halbbildung über lang und mühsam erworbene Expertise stellen.

Was ist dir wichtig und was nicht?

Wichtig: Familie, Freunde, Aufrichtigkeit, meine Kunst.

Unwichtig: Eigenheim, ein dickes Auto, Modetrends.

Verrate uns doch bitte deine Geschmäcker?

-Lieblingslied: “Der Wanderer“ von Corinna Kaufmann, „Discovery“ von Mike Oldfield, „coinleach glas an fhómhair“ in der Interpretation von Clannad, „Mensch“ von Herbert Grönemeyer.

-Lieblingssänger, Sängerin oder Band: Clannad, Suzanne Vega, Erdenstern. -Lieblingsfilm: “Der Hofnarr“, „Unternehmen Petticoat“. -Lieblingsschauspieler/in: Cary Grant, Michelle Pfeiffer, Sean Bean. -Lieblingsstadt: Essen! Es geht einfach nichts über die alte Heimat. -Lieblingsland: Irland. -Lieblingstier: Wüstenbussard.

-Lieblingssport: Skilaufen (alpin). -Lieblingsbuch: “Ombria in Shadow“ von Patricia McKillip.

Deine drei größten Wünsche sind?

  • dass wir als Menschheit den Klimawandel stoppen können, bevor es zu spät ist.
  • dass mein Sohn ein langes und glückliches Leben führen wird.
  • dass ich mit meiner Kunst anerkannt und berühmt werde.

Was würdest du auf dieser Welt verändern, wenn du es könntest?

Ich würde die Zerstörung unserer Umwelt beenden und den Klimawandel mit quietschenden Bremsen anhalten.

Womit verbringst du deine Freizeit, abgesehen vom Schreiben?

Pen&Paper-Rollenspiel, Gesellschaftsspiele, Spaziergänge. Theoretisch auch noch Badminton, aber das liegt aus verschiedenen Gründen seit ein paar Jahren auf Eis.

Dein Lebensmotto lautet?

„Wenn du durch die Hölle gehst, geh weiter!“ – Winston Churchill

Dein bisher schlimmstes und schönstes Erlebnis?

Schwierig. Was macht ein Erlebnis „schlimm“ und wann ist es „schlimmer“ als andere?

Ich habe mir nahestehende Menschen verloren, bin von aggressiven Hunden angefallen worden, auf einer Segelfreizeit fast in die stürmische Nordsee gefallen, beim Bergwandern in die Irre gegangen und zweimal beim Skilaufen abgestürzt. Aber nie habe ich mich so grauenhaft gefühlt wie bei dem Nervenzusammenbruch, mit dem mein Lebensabschnitt als selbständiger Softwareentwickler endete. Alles andere waren nur Schreckmomente oder „normale“ Zeiten der Trauer. In dem Zusammenbruch aber ballten sich die Frustration und Hilflosigkeit von Jahren. Glücklicherweise hatte ich Familie und Freunde, die mich auffingen.

An schönsten Erlebnissen möchte ich zwei nennen. Von dem einen habe ich schon weiter oben erzählt, unter der Frage, was mich zum Schreiben bewogen hat. Nach der begeisterten Reaktion des Freundes, dem ich zum Geburtstag extra einen Roman geschrieben hatte, schwebte ich eine Woche lang wie auf Wolken.

Das andere schönste Erlebnis meines Lebens war die Geburt meines Sohnes.

Wie war es, als du dein erstes Buch veröffentlicht hast? Welche Gefühle hattest du in diesem Moment?

In dem Moment, in dem ich den unterschriebenen Verlagsvertrag in Händen hielt, war ich erst einmal voll freudiger Erwartung.

Wurden deine Erwartungen enttäuscht und falls ja, mit welchen veröffentlichst du neue Bücher?

Meine Erwartungen wurden sogar ziemlich herb enttäuscht. Der Verlag stellte sich als sehr unprofessionell heraus. Die Qualität der gedruckten Bücher war so unterirdisch, dass ich mich kaum getraut habe, sie jemandem zu zeigen. Werbung fand praktisch nicht statt und dementsprechend schlecht verkaufte sich das Buch.

Am Ende bin ich mit diesem Verlag im Streit auseinandergegangen und habe mir für meinen nächsten Roman einen anderen gesucht. Aber auch bei engagierten, fachkundigen Verlegern fand ich die Zwänge des Buchmarkts, die endlosen Wartezeiten und die Konflikte mit Designern, Herausgebern, Lektoren etc. sehr zermürbend. Insgesamt habe ich in 20 Jahren fünf verschiedene Verlage durchprobiert, ehe ich ins Selfpublishing gewechselt bin.

Heute als SPler kann ich mich ungetrübt über jede neue Veröffentlichung freuen, denn meine Erwartung lautet lediglich: Sobald das Buch existiert, kann es Käufer und Leser erreichen. Es bekannt zu machen und zu bewerben, liegt in meiner Hand. Das wird harte Arbeit für magere Ausbeute, aber es wird nie wieder daran scheitern, dass ich mich vergeblich auf andere verlasse.

Was würdest du jedem Neuling in diesem Metier empfehlen?

Hüte dich vor all den Neppern, die dich ausnehmen wollen, sobald du naiv und vertrauensselig mit einem Manuskript wedelst! Da draußen wimmelt es von Kostenzuschussverlagen, Anbietern von "Prominentenverzeichnissen" und vergleichbaren Geschäftemachern. Sie alle ködern unerfahrene Schreibneulinge über deren Eitelkeit, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen und nichts dafür zu bieten.

Zu welchen Zeiten und wie oft schreibst du innerhalb einer Woche?

Aktuell zu selten. Meine Schreibzeit ist normalerweise vormittags, wenn mein Sohn im Kindergarten ist. Da in dieser Zeit noch andere Arbeiten, Termine etc. anfallen, komme ich vielleicht dreimal in der Woche zum Schreiben. Ich hoffe, dass es bald wieder mehr wird.

Wie lange brauchst du für ein vollständiges Manuskript?

Das hängt vom Umfang des Buches ab. Erfahrungsgemäß schaffe ich pro Jahr etwa 300 Normmanuskriptseiten (inklusive Überarbeitung).

Wenn du ein Buch anfängst, wie hast du dich vorbereitet und nach welchen Regeln schreibst du, also frei drauf los oder mit einem Plot?

Es ist eine Mischform von beidem. Ich arbeite mich zunächst intensiv in die Gegebenheiten des Settings ein: Landschaft, Kultur usw. Sobald ich hier sattelfest genug bin, um jederzeit konsistent zu improvisieren, kann ich meine Hauptpersonen auf die Bühne schicken. Meine Vorgaben für den Plot sind die Ausgangssituation, die Ziele und Motivationen der Prota- und Antagonisten und das ungefähre Ende. Häufig habe ich vorab auch ein paar Szenen im Kopf, die gewissermaßen Meilensteine des Plots darstellen.

Sobald ich aber mit dem eigentlichen Schreiben anfange, lasse ich meine Charaktere frei agieren. Nur, wenn die Geschichte aus dem Ruder zu laufen droht, greife ich als Autor korrigierend ein und bringe neue äußere Gegebenheiten, neue Nebenfiguren, plötzliche Ereignisse o.ä. ins Spiel.

Was geht es dir, wenn du unter ein Manuskript das Wort Ende setzt?

Es fühlt sich normalerweise etwas surreal an. Zunächst kann ich immer nicht fassen, dass es wirklich vorbei ist. Es bleibt ein gewisses Katergefühl von: „Und was mache ich morgen?“ Bis ich mich daran gewöhnt habe, eine Geschichte nicht mehr weiterzuschreiben, vergehen ein paar Tage. Beim Falkenflug waren es sogar Wochen.

Die schlimmste Aufgabe, die in Bezug auf das Schreiben umgesetzt werden muss, ist für dich welche?

Meine schreiberische Achillesferse sind Überleitungen. Wenn ich zwei Szenen bereits im Kopf habe, aber ich muss dazwischen noch Handlung „auffüllen“, wird es immer hart für mich.

Die Idee für ein Manuskript, woher kommt sie, eher durch den Alltag oder mehr spontan?

Unterschiedlich. Eigentlich ist es nie nur eine Idee, sondern es müssen mehrere zusammenkommen, bis die kritische Masse für eine Geschichte zusammenkommt. Diese Ideen können aber aus allem möglichen kommen: aus dem Alltag, aus Urlaubserlebnissen, aus Musik, Filmen, einer Brettspielpartie oder auch beim Lesen.  Wenn ich einen Roman lese, fange ich oft an nachzudenken: Was für eine Geschichte hätte ich wohl aus dieser Idee gemacht? Manchmal bleibt es dann nicht beim Nachdenken, sondern ich fange selbst an zu schreiben.

Unabhängig von allen Vor- und Nachteilen, aber mit dem heutigen Wissen: Würdest du das Abenteuer Belletristik erneut angehen?

Jederzeit!

Welchen Dienstleister würdest du Selfpublishern zum Anfang empfehlen?

Ich bin alles in allem zufrieden bei „Books on Demand“. Man muss natürlich am Anfang die Fallstricke kennenlernen. BoD ist kein Wohltätigkeitsverein und will an seinen Autoren zunächst einmal verdienen. Wenn man sich als Autor bei der Veröffentlichung Fehler leistet, zahlt man für die nachträglichen Korrekturen natürlich drauf. Sobald man aber seine Anfängerfehler hinter sich hat, ist BoD eine zuverlässige Plattform, um ein Buch herauszubringen und ein Publikum zu erreichen. Man sollte nur von den Gewinnmargen her keine Reichtümer erwarten.

Arbeitest du mit einem bestimmten Schreibprogramm?

Ja, aber das wird den meisten Leuten nichts sagen. Als Oldschool-Programmierer und studierter Physiker benutze ich das Textsatzsystem LaTeX, das auch für naturwissenschaftliche Artikel verwendet wird.

Wenn du schriftstellerisch tätig bist, stören dich Nebengeräusche oder bist du in deiner fiktiven Welt versunken?

Das kommt auf die Art der Nebengeräusche an. Solange es nur Instrumentalmusik, Verkehrslärm oder die Spülmaschine ist, geht es. Kritisch wird es, sobald jemand redet oder singt. Dann kann ich mich auf meinen eigenen Text nicht mehr konzentrieren.

Was ist dein Lieblingsgenre und welches könntest du auf gar keinen Fall bedienen?

Meine Lieblingsgenres sind heroische Fantasy und utopische Science Fiction. Manchmal liebäugele ich auch mit Historienromanen, habe aber bislang kein entsprechendes Projekt angefangen. Krimi könnte ich mir auch noch vorstellen. Was mich überhaupt nicht reizt, sind moderne Urban Fantasy, reine Liebes- oder Erotikgeschichten oder zeitgenössische Literatur.

Hast du ein schriftstellerisches Vorbild oder welches Buch hat dich bisher am meisten beeindruckt?

Beeinflusst wurde ich von sehr vielen Autoren. In meiner Jugend war ich begeistert von Isaac Asimov, Ursula K. LeGuin und Wolfgang Hohlbein, später von Joel Rosenberg und Megan Lindholm. Die letzte Autorin, die nachhaltig Eindruck auf mich gemacht hat, war Patricia McKillip mit ihrem positiven Menschenbild und ihrer zauberhaft poetischen Sprache. Ihr Roman „Ombria in Shadow“ ist für mich ein Meisterwerk, das in einem epischen Fantasy-Plot eine zutiefst menschliche, anrührende Geschichte erzählt.

Welche Ziele strebst du als Autor/in an?

Berühmt werden. ;) Da bin ich ehrlich: Ich liebe den Applaus. Meine bisher schönsten Erfahrungen als Autor waren diejenigen Lesungen, bei denen das Publikum von meiner Geschichte so richtig gepackt war. Auf diese Weise will ich so viele Menschen erreichen wie irgend möglich.

Konntest du schon Erfahrungen bei Buchmessen sammeln und wenn nicht, würdest du gerne?

Oh ja, diese Erfahrung hatte ich schon ausgiebig. Lange vor meiner ersten Veröffentlichung habe ich mir abwechselnd auf der Frankfurter und der Leipziger Buchmesse die Hacken abgerannt, um Kontakte mit Lektoren zu knüpfen. Als Aussteller war ich hingegen erst einmal auf der Leipziger. Mein Fazit: Es macht Spaß, aber kommerziell lohnt es sich für mich nicht.

Hast du schon an irgendwelchen Preisausschreiben teilgenommen und wenn ja, welche Erfahrungen hast du gemacht?

Als ich noch Verlagsautor war, haben manchmal meine Verleger meine Bücher bei Literaturpreisen ins Rennen geschickt. Mein Erstling „Mjöllnirs Erben“ belegte Platz 2 beim Deutschen Science Fiction Preis. Das gab mir immerhin ein gutes Gefühl.

Seit meinem Umstieg auf SP habe ich mich erst zwei- oder dreimal bei Literaturwettbewerben beworben, bin aber bislang nie in die Endausscheidung gekommen. Allerdings ist das auch kein Wunder, wenn man sich bei diesen Preisen die schiere Menge der eingereichten Bücher ansieht. Die Konkurrenz ist riesig, daher gehe ich in so was immer mit der Erwartungshaltung rein: „Ich probier‘s mal einfach.“

Was ist für dich in deinen Büchern besonders wichtig?

Meine Leser zum Staunen zu bringen. Ich will vorgefasste Ansichten erschüttern und all die Aha- und Wow-Effekte, die ich selbst bei der Recherche hatte, mit meinen Lesern teilen. Dabei liegt es mir besonders am Herzen, Vorurteile und Feindbilder in Frage zu stellen. Besonders freut es mich, wenn ich bei meinen Lesern Verständnis für Personengruppen wecke, denen sie vorher (meist unbewusst) bösen Willen unterstellt haben.

Schriftstellerisch gesehen: Was würdest du nie wieder tun?

Bei einem Verlag einen Vertrag unterzeichnen, ohne mich vorher gründlich über sein Programm zu informieren. Wobei Veröffentlichung via Verlag für mich aktuell sowieso nicht zur Debatte steht. Bis auf weiteres werde ich mein Glück im SP versuchen.

Worte  an Leser von Markus Gerwinski

Allen, die diese lange Vorstellung bis hierher gelesen haben: Vielen Dank für euer Interesse! Wer jetzt immer noch nicht genug von mir hat, fühle sich herzlich zum Stöbern auf meiner Website eingeladen: www.markus.gerwinski.de. Das Romanschreiben ist nur eine von vielen meiner Tätigkeiten und ich freue mich immer, wenn ihr euch auch z.B. für meine Illustrationen und meine Pen&Paper-Veröffentlichungen interessiert.

Wer mir einmal persönlich begegnen will: Meine Auftritte auf Messen und Conventions pflege ich unter www.markus.gerwinski.de/topic_blog/de_index.html anzukündigen. Falls nichts in eurer Nähe dabei ist, lasse ich mich auch gern für eine Lesung oder einen Workshop buchen. Schickt mir eine Email an markus@gerwinski.de und wir werden sehen, ob wir zusammenkommen.