Porträt Hildegard Grünthaler

Meinung der Autorenecke: Hildegard Grünthaler stellt sich Ihnen mit diesem Porträt vor und sie machte es auf eine Art, wie wir die Autorin ins Herz geschlossen haben: Offen, direkt und Zwischen ihren Zeilen wird ersichtlich, dass die Frau, Mutter und Oma sehr viel Humor hat und gerne lacht. Hildegard Grünthaler ist eine sehr fleißige und bemühte Schriftstellerin, deren Bücher ohne Ausnahme von uns empfohlen werden. Ihre Reiseberichte sind kurzweilig und hochinteressant, ihre Krimis spannend und die Fantasyromane zeigen auf, mit welcher Leidenschaft sie schreibt.

Fragen an die Autorin Hildegard Grünthaler

Bist du Selfpublisher, Verlagsgebunden oder ein Hybridautor? Ich bin Hybridautor

Was hat dich zum Schreiben bewogen? Es waren die vielen Erlebnisse auf unserer ersten dreijährigen Wohnmobilreise, die ich gerne anderen zukünftigen Reisenden mitteilen wollte. Aber auch die Planung, Vorbereitung, die Verschiffung des Wohnmobils, kurz gesagt, all das was man wissen und beachten muss, wenn man eine ähnliche Reise plant, habe ich für Interessierte in mein erstes Buch gepackt.

Welchen zeitlichen und/oder finanziellen Aufwand hast du betrieben, um dir den Traum von einem veröffentlichten Buch zu erfüllen? Zuerst begann es ganz einfach mit dem täglichen Schreiben eines Reisetagebuchs. Das habe ich schon während unserer Kurzreisen so gehalten. Dann begann ich mit der Arbeit an dem Buch. Anfangs übernahm ich auch große Passagen aus dem Tagebuch, aber die habe ich ziemlich schnell wieder gelöscht. Bis ich wirklich mit dem Ergebnis zufrieden war, habe ich das Manuskript x-mal umgeschrieben.

Die Suche nach einem Verlag war ebenfalls zeitaufwendig, weil mir die meisten Verlage schon am Telefon erklärten, dass sie kein Interesse hätten. Ich kam nur einige Male dazu, das Manuskript abzusenden. Auch Herr Stein vom Conrad Stein Verlag erklärte mir, dass er in solchen Manuskripten ersticke und wollte mich gleich am Telefon abwimmeln. Nach einem längeren Gespräch erklärte er sich dann doch bereit, das Manuskript zu lesen. Die Zusage kam bereits am nächsten Tag. Von „Tausend Tage Wohnmobil - In drei Jahren durch Amerika, Australien und Neuseeland“ ist bereits die dritte Auflage im Handel.
Obwohl mein Buch bei Wohnmobilreisenden ein Begriff ist, bleibt es natürlich ein Nischenprodukt. Viele Leser haben aber gar nicht vor, eine ähnlich große Reise zu unternehmen, sondern wollen nur ein wenig Fernweh schnuppern.

Auch mein zweites Reisebuch über die einjährige Nordamerikareise mit unserem Hund wurde beim Conrad Stein Verlag verlegt. Den zeitlichen Aufwand kann ich im Grunde nicht einschätzen. Beim zweiten Buch war ich auf jeden Fall schneller, weil ich mehr Erfahrung hatte.

Ganz generell ist es aber so, dass ich ein Manuskript x-mal durcharbeite, bis ich zufrieden bin. Beim ersten Buch nahm der Verlag an, ich hätte es schon lektorieren lassen. Was aber nicht heißt, dass doch mal Fehler oder Dreher durchschlüpfen.

 

Bist du mit deinen Büchern zufrieden oder gibt es etwas, was du im Nachhinein lieber anders gemacht oder erzählt hättest? Die Cover meiner selbstverlegten Bücher habe ich schon einige Male neu erstellt, weil sie mir stets nach einiger Zeit nicht mehr gefallen.

Möglicherweise wäre es für mich einfacher gewesen, wenn ich mich mit meinen nachfolgenden Büchern an einen Agenten gewandt hätte, der mir beim Erstellen eines professionellen Exposés zur Hand gegangen wäre. In dieser Hinsicht, habe ich mich vermutlich zu doof angestellt. Andererseits würde ich mich aber auch nicht in ein Korsett zwängen lassen, das Thema, Seitenzahl usw. vorgibt. Ich schreibe „aus Spaß an der Freund“ und das soll so bleiben.

Auch mein neuestes Buch „Tödliches Erbe – Ein Australien-Reisekrimi“ ist wieder bei epubli im Selbstverlag erscheinen. Auf diese Weise bin ich nicht gegängelt. Für mich ist das wichtig, weil ich eine reine „Bauchschreiberin“ bin.

Welcher Aspekt macht deine Bücher subjektiv gesehen besonders? Ich glaube, dass meine beiden Reisebücher eine gelungene Mischung aus Unterhaltung und Information sind. In die Reisekrimis sind meine Reiseerfahrungen eingeflossen, denn die Highways, die ich einst selbst im Wohnmobil bereist habe, wurden in diesen Büchern zum Schauplatz einer spannenden Krimihandlung.

Ich habe auch zwei Bücher für Kinder, bzw. Jugendliche geschrieben, aber es hat sich herausgestellt, dass sie auch von Erwachsenen gerne gelesen werden. Es sind echte All-Age-Bücher.

Was war für dich die größte Herausforderung bei deinem Erstlingswerk? Von der Reise zu erzählen, ohne dass es wie ein Tagebuch oder ein Schulaufsatz wirkt. Ich habe das Buch wirklich x-fach umgeschrieben, aber der Aufwand hat sich gelohnt.

Außerdem war natürlich die Suche nach dem Verlag eine Herausforderung.

Wie viele Bücher hast du bisher veröffentlicht und in welchen Genres bist du unterwegs? Bisher sind sechs Bücher veröffentlicht.  

Neben den reinen Reisebüchern sind es Reisekrimis und zwei Bücher, die vom empfohlenen Alter so zwischen Kinder- und Jugendbuch liegen, aber eben auch echte All-Age-Bücher sind. Zumindest am Rande haben aber alle meine Bücher mit Reisen zu tun.

Welches deiner Bücher liegt dir besonders am Herzen und warum? Von den Reisbüchern mal abgesehen, die ja von einer sehr intensiven Zeit meines Lebens berichten, ist das wohl „Die Beschwörungsformel“. Das liegt vermutlich an der Hauptfigur, dem Rauchgeist Kalatur, den nicht nur ich, sondern auch die Leser ins Herz geschlossen haben.

Gab es vor deinem Debüt als Autor Selbstzweifel und wenn ja, welche? Die Selbstzweifel habe ich eigentlich vor jedem Buch.  Soviel ich weiß, geht das auch anderen Autoren so.

Wann dürfen die Leser ein neues Buch erwarten und kannst du uns mehr dazu verraten? Aus dem Bauch der Bauchschreiberin kämpfen sich momentan zwei Themen nach oben: Entweder eine peppige Fantasy-Komödie um den Rauchgeist Kalatur (nicht für Kinder), oder ein Neuseeland Reisekrimi. Mal sehen, was die Oberhand behält. Bei meinem Schreibtempo wird es auf jeden Fall noch dauern.


Fragen an den Mensch Hildegard Grünthaler

Was magst du und was nicht? In erster Linie meine Familie. Ich bin seit fast 55 Jahren verheiratet (ja, ich war gerade mal 18), habe zwei Söhne und zwei Enkelkinder.

Ich mag Ruhe, Stille, die Natur. Orte, an denen der Mensch in Massen auftritt, meide ich. Ständiges Radiogedudel nervt mich. Ich liebe klassische Musik, aber das kann ich nicht im Hintergrund laufen lassen; dazu muss ich mich hinsetzen und bewusst zuhören. Im Moment fehlt mir da aber die nötige Geduld.

Natürlich mag ich gute Bücher, lese auch gerne Psychothriller oder Sachbücher. Außerdem interessiere ich mich für alternative Heilmethoden und kuriere unsere Wehwehchen mit Schüssler Salzen und Jin Shin Jyutsu.

Wie würdest du dich selbst beschreiben? Ich lache gerne, bin gerne in der Natur, brauche um zufrieden zu sein, nur gute Bücher, meine Spiegelreflexkamera und natürlich meinen Laptop zum Schreiben.

Was sind deine Stärken und Schwächen? Stärken? Kann man selbst schlecht sagen. Schwächen? Mir fehlt die Geduld, mich mit einer professionellen Vermarktungsstrategie meiner Bücher zu befassen. Klappern gehört zwar zum Handwerk – aber zu mehr als regelmäßigen Postings bei Facebook usw. hat es bei mir bisher nicht gereicht.

Was ist dir wichtig und was nicht? Wichtig sind mir die Familie, nach langen Jahren des Reisens im Wohnmobil wieder eine praktische und gemütliche Wohnung zu haben, ein friedliches Miteinander.

Unwichtig sind mir Prestige, ein dickes Auto, Äußerlichkeiten.

Verrate uns doch bitte deine Geschmäcker? -Lieblingslied: Ein direktes Lieblingslied habe ich nicht.  Das ist abhängig von der Stimmung. -Lieblingssänger, Sängerin oder Band: Schwierig, weil ich kein wirklicher Musikfan bin. Ich mag Irish Folk, die alten Countries, Blue Grass, Milva. -Lieblingsfilm: Wenn ich spontan einen Film nennen muss, dann evtl. „Der elektrische Reiter“. Wegen der Landschaft, wegen Robert Redford, wegen der Lieder von Willie Nelson. Oder auch „Jenseits von Afrika“ -Lieblingsschauspieler/in: Da fallen mir spontan Robert Redford und Brandauer ein – aber ein großer Kinofan bin ich eher nicht. -Lieblingsstadt: Sydney – obwohl Städte ja nicht so mein Ding sind.  -Lieblingsland: Schwierig, weil ich das Reisen generell sehr genossen habe. Auf jeden Fall gehören Neuseeland und Kanada dazu. -Lieblingstier: Meine Belgische Schäferhündin Eyleen, die leider nicht mehr lebt. -Lieblingssport: Früher war ich mal eine leidenschaftliche Windsurferin, war joggen, bin mit dem Trekkingrad gefahren. Mittlerweile bin ich 73, da reichen mir Walking und Wandern. Profisport lehne ich generell ab. -Lieblingsbuch: Ich lese generell viel, ein spezielles Lieblingsbuch gibt es nicht.

Deine drei größten Wünsche sind? Gesundheit und Sicherheit für mich und meine Familie, auch im Alter fit und selbständig zu sein, und dass meine Enkelkinder noch in einer lebenswerten, friedlichen Welt leben können.

Was würdest du auf dieser Welt verändern, wenn du es könntest? Ich würde sie gerechter machen, das soziale Ungleichgewicht beseitigen, die Umweltsünden und den Raubbau an der Natur unterbinden, Klimaschutz und Nachhaltigkeit fördern und natürlich für den Frieden in der Welt sorgen.

Womit verbringst du deine Freizeit, abgesehen vom Schreiben? Fotografieren, Lesen.

Dein Lebensmotto lautet? Leben und leben lassen.

Dein bisher schlimmstes und schönstes Erlebnis?

Ein schlimmes Erlebnis hatten wir ziemlich zu Beginn unserer dreijährigen Reise. Als wir das Wohnmobil übernahmen, hatte der Vorbesitzer den Motorraum des lauten Fahrzeugs, der im alten 410er Mercedes ja nach innen ging, komplett mit schalldämpfendem Isoliermaterial ausgestopft. Wir waren im heißen Arizona unterwegs, auf einem der endlos langen Anstiege. Ich fuhr, mokierte, dass das Auto nicht zieht und mein Mann meinte, ich müsse halt mehr Gas geben. Plötzlich merkten wir, dass es unter der Motorhaube qualmte. Peter griff zum Feuerlöscher und dachte anschließend, alles wäre wieder okay. Aber hinter uns hatte glücklicherweise ein Amerikaner gehalten. Ehe wir uns versahen, hatte der die innere Motorhaube aufgerissen, die noch immer kokelnde zusätzliche Schall-Isolierung herausgeworfen und mit etlichen Flaschen Wasser den Spuk beendet. »Nicht euer Motor hat gebrannt, sondern die dicke Isolierung«, erklärte er uns. Und bevor wir uns in unserem Schock richtig bedanken konnten, war er auch schon wieder verschwunden. Wir hatten beim letzten Tankstopp vermutlich einen Rest verdünnten Winterdiesels erwischt. Nach diesem Schreck mussten wir uns ein paar Tage erholen und trafen zum Glück auf »altgediente« Reisende aus Deutschland, die uns seelisch wieder aufrichteten und auch gute Fahrzeugtipps gaben, wie z.B. den Einbau eines Wasserabscheiders in der Dieselleitung.

Schöne Erlebnisse hatten wir so viele, dass ich sie gar nicht einzeln bewerten kann.

Frage: Wie war es, als du dein erstes Buch veröffentlicht hast? Welche Gefühle hattest du in diesem Moment? Das war schon ein ganz besonderer Moment, besonders wenn plötzlich ein ganzer Stapel des eigenen Buchs an der Kasse liegt, oder in der Zeitung über das Buch berichtet wird.

Wurden deine Erwartungen enttäuscht und falls ja, mit welchen veröffentlichst du neue Bücher? Die Vermarktung meiner selbstverlegten Bücher hatte ich mir einfacher vorgestellt. Trotz vieler sehr guter Rezensionen ist das sehr aufwendig.

Für mein neuestes Buch habe ich erst mal gar keine Erwartungen. Erwartungen blockieren. Ich hoffe einfach, dass es den Lesern gefallen wird.

Was würdest du jedem Neuling in diesem Metier empfehlen? Schwer zu sagen. Ich würde versuchen, einen guten Agenten zu finden. Ich persönlich habe mich vermutlich beim Erstellen des Exposés und des Klappentextes zu doof angestellt, bzw. habe mir nicht genug Zeit dazu gelassen. Vielleicht wäre ich mit einem Agenten weitergekommen.

Zu welchen Zeiten und wie oft schreibst du innerhalb einer Woche? Oh je, ich habe keine festen Zeiten. Auf jeden Fall schreibe ich zu wenig, weil ich es zu oft hintenanstelle.

Wie lange brauchst du für ein vollständiges Manuskript? Viel zu lang.

Wenn du ein Buch anfängst, wie hast du dich vorbereitet und nach welchen Regeln schreibst du, also frei drauf los oder mit einem Plot? Ich habe nur ein sehr grobes Gerüst, das notfalls auch immer wieder eingerissen wird. Im Grunde schreibe ich aus dem Bauch.

Wie geht es dir, wenn du unter ein Manuskript das Wort Ende setzt? Dann wird überarbeitet, durchgelesen, nach Fehlern gefahndet, durchgelesen, nach Fehlern gefahndet … Dann erstelle ich ein E-Book, lade es auf meinen Reader und lese es wie ein fremdes Buch. Das ist hilfreich um evtl. langweilige oder unstimmige Partien zu finden. Außerdem sehe ich so Tippfehler und Dreher, die ich beim Überarbeiten am PC übersehen habe, markiere sie und kann sie so noch leicht ausbessern. Wenn ich es dann hochgeladen habe und auch das Taschenbuch fertig ist, empfinde ich erst einmal eine Leere. Aber dann muss ich mich um die Vermarktung kümmern usw. 

Die schlimmste Aufgabe, die in Bezug auf das Schreiben umgesetzt werden muss, ist für dich welche? Der Titel und der Klappentext, das Exposé. Der Beitrag für den Waschzettel bei den Verlagsbüchern.

Die Idee für ein Manuskript, woher kommt sie, eher durch den Alltag oder mehr spontan? Die kommt so nach und nach aus dem Bauch.

Unabhängig von allen Vor- und Nachteilen, aber mit dem heutigen Wissen: Würdest du das Abenteuer Belletristik erneut angehen? Ja, warum nicht.

Welchen Dienstleister würdest du Selfpublishern zum Anfang empfehlen? Am einfachsten ist es für Selbstverleger bei Create Space von Amazon. Für den Autor bleibt dort am meisten hängen, weil auch die Erstellung der Taschenbuchausgabe günstiger ist. Der große Nachteil ist, dass diese Bücher nur über Amazon zu beziehen sind, aber mehr und mehr Leser aus Prinzip nicht bei Amazon kaufen. (Angeblich gibt es jetzt eine Version, die auch über den Buchhandel zu beziehen ist. Inwieweit da funktioniert, weiß ich nicht.) Mit meinem ersten Kinderbuch „Römer, Ritter, Fußballhelden“ bin ich bei Amazon geblieben, vielleicht weil da mein Herz nicht so daran hängt. „Die Beschwörungsformel“ hatte ich anfangs auch über Amazon herausgebracht, bin aber dann für das E-Book zu neobooks gewechselt und das Taschenbuch habe ich bei epubli erstellt. Meine Krimis „Highway ins Verderben“  und  „Tödliches Erbe“ habe ich gleich über epubli herausgebracht.

Es gibt natürlich noch mehr Dienstleister, z. B. Tredition, aber dort werden die Bücher durch die höheren Preise meiner Meinung nach sehr teuer.

Arbeitest du mit einem bestimmten Schreibprogramm? Ich benütze Papyrus und Word. Ich hatte bisher ein uraltes Word von 2003 auf meinem alten Laptop. Jetzt habe ich einen neuen Laptop und auch ein neues Word installiert. Word ist das Format das meist ganz generell verlangt wird. Papyrus kann zwar Word erzeugen, aber mitunter gehen da Formatierungen flöten – zumindest war das bei meinem alten Word so. Zum Erstellen des Manuskripts benütze ich aber auf jeden Fall Papyrus – obwohl das Programm mitunter recht kompliziert ist. Zumindest für mich, weil mir die Geduld fehlt, mich tiefer in die Materie einzuarbeiten. Bei mir läuft vieles über „Try und Error“. Natürlich schätze ich an Papyrus, dass es ein EPUB erstellen kann.

Wenn du schriftstellerisch tätig bist, stören dich Nebengeräusche oder bist du in deiner fiktiven Welt versunken? Das kommt darauf an. Wenn es läuft und ich gut drauf bin, dann höre und sehe ich nichts anderes. Wenn nicht – wird meist die ganze Schreiberei nichts.

Was ist dein Lieblingsgenre und welches könntest du auf gar keinen Fall bedienen? Inzwischen bin ich ja beim Krimi angelangt. Was ich keinesfalls schreiben könnte, sind Liebes- und Erotikromane und Horrorgeschichten.

Hast du ein schriftstellerisches Vorbild oder welches Buch hat dich bisher am meisten beeindruckt? Mich hat der witzige Schreibstil des Weltumseglers Burghard Pieske beeindruckt. Das war noch vor unseren Reisen. Aber ganz generell muss jeder Schreiberling seinen eigenen Stil finden. Beeindruckt haben mich sehr viele Bücher, aber das war meist der Inhalt. In der Regel waren das Sachbücher. 

Welche Ziele strebst du als Autor/in an? Mein Ziel ist, dass den Lesern meine Bücher gefallen. Ich bin jetzt 73 und schreibe „aus Spaß an der Freud“. Nur so wird bei mir ein Schuh draus. Ich denke, wenn mir das Schreiben Spaß gemacht hat, merken das die Leser.

Konntest du schon Erfahrungen bei Buchmessen sammeln und wenn nicht, würdest du gerne? Nein, das tu ich mir auch gar nicht an.

Hast du schon an irgendwelchen Preisausschreiben teilgenommen und wenn ja, welche Erfahrungen hast du gemacht? Nein. Da würde ich vermutlich überlegen „Was ist gefragt? Was kommt an?“ Dazu habe ich keine Lust. Das wäre dann auch nicht authentisch. Ohnehin sind meine Bücher nicht unbedingt „Mainstream“ – genauso wenig wie ich es selbst bin.

Was ist für dich in deinen Büchern besonders wichtig? Bei meinen Reisebüchern war mir wichtig, dass sie ehrlich sind, dass sie keine falschen Erwartungen wecken. Bei meinen anderen Büchern achte ich darauf, dass selbst bei einem Fantasy Buch wie die Beschwörungsformel, die Logik gewahrt bleibt. Ich will keine Wendungen oder Lösungen aus dem Hut zaubern. Außerdem müssen Handlungsweise und Charakter der Protagonisten zusammenpassen. Und natürlich soll die Spannung aufrechterhalten werden. Auch Humor ist wichtig, selbst im Krimi darf mitunter gelacht werden.

Schriftstellerisch gesehen: Was würdest du nie wieder tun? Zu schnell und zu eilig ein Manuskript an Verlage schicken. Ich würde es erst ein wenig liegen lassen und nicht so eilig ein Exposé in die Tasten klopfen, nur weil das Manuskript fertig ist.

Hildegard Grünthaler an die Leser:

Liebe Leser, ihr träumt vom Reisen, vom Schreiben oder von anderen Dingen, die ihr vielleicht „irgendwann mal“ machen wollt? Dazu möchte ich euch einen Ausspruch des Herzogs von Wellington ans Herz legen, den ich gleich auf die erste Seite von „Tausend Tage Wohnmobil“ gesetzt habe: „Verschiebe nicht auf morgen, was du heute tun kannst; denn, wenn es dir heute Spaß macht, kannst du es morgen wieder tun!“

Dieser Spruch steht auch wieder in meinem zweiten Reisebuch „On the Road“. Ich habe ihm aber noch folgenden Satz hinzugefügt, der aus meinem tiefsten Inneren stammt: „Wenn du es auf übermorgen verschiebst, wirst du es vermutlich niemals tun!“

Nicht warten, sondern packt es an, plant, schreibt oder was immer ihr tun wollt. Der Rest wird sich fügen.

Was wünsche ich mir als Autorin von euch Lesern? Wenn ihr demnächst wieder neuen Lesestoff sucht, lasst mal die üblichen Spiegel Bestseller außen vor, sondern scrollt stattdessen unvoreingenommen durch die Seiten der Autorenecke Gelsenkirchen, schmökert durch die Buchbeschreibungen und lasst euch auf das Abenteuer ein, auch mal die Bücher unbekannter Autoren zu lesen.

Von den Verlagen wünsche ich mir, dass sie nicht nur die Lizenzen für die Bücher amerikanischer Schriftsteller kaufen, sondern auch neuen Autoren eine Chance geben.