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Eve Herzogenrath

Die Autorin war im Gesundheits- und Sozialwesen und in der Berufsausbildung tätig. Sie schreibt am Südrand von Köln Romane mit engem Lebensbezug.

Eve Herzogenrath (Jg. 1939) stammt aus dem idyllischen Kölner Westen gleich am Stadtwald – noch idyllischer als der im Roman geschilderte Kölner Süden. Als sie Ende der 1950er-Jahre eine Ausbildung zur Krankenschwester machte, war es noch nicht üblich, dass Mädchen überhaupt einen Beruf lernen – und ihr Vater hat es ihr genauso gesagt. Sie lernte in einem von Nonnen betriebenen kirchlichen Krankenhaus und verliebte sich in ihre junge Ausbilderin. 1962 schloss sie als Diplom-Krankenschwester ab und bildete sich zur Pflegedienst- und Seminarleiterin sowie Gutachterin für die Heimaufsicht Köln weiter. (Der Vater weigerte sich, seine Tochter bei einem Studium zu unterstützen.) Sie lernte dann noch Kommunikationsassistentin mit einer Zusatzqualifikation in Blindenschrift. Alle diese Erfahrungen fließen in ihr Romanschaffen ein. Doch wie sehr unverheiratete junge Frauen, gar Lesben damals ausgegrenzt wurden, ist heute nur noch für die Älteren vorstellbar. Die lesbische Literatur wird Eve Herzogenrath heute zu sehr von hartem Sex beherrscht. „Sind junge Lesben wirklich so?", fragt sich die Autorin. Sie glaubt es nicht. Sie schildert ihre Erfahrungen mit den Worten: „Meine älteren Freundinnen und das Publikum bei meinen Lesungen leben jedenfalls anders und denken auch nicht so." Sie bedauert die derzeitige literarische Engführung und hält an ihren – vielleicht altmodischen – Vorstellungen vom guten Leben fest. #eveherzogenrath

Die Zielgruppe: Lesbisches Leben einst und jetzt

Geht es in vielen lesbischen Romanen derzeit vor allem um möglichst viel Sex und Gewalt, bleibt Eve Herzogenrath dem heiteren realistischen Familienroman treu – nur eben unter lesbischen Vorzeichen. Das wird all denen guttun, die nicht zur radikalen Szene gehören und nicht an hervorgehobener Stelle für die lesbische Sache streiten, sondern einfach nur ein erfülltes Leben in der Liebe, in der Familie und im Beruf erstreben – so wie Julia Anders. Zwischen den zahlreichen Bosheiten oder einfach nur Stolpersteinen des Lebens finden sich immer wieder Momente inniger Verbundenheit und tiefer Freundschaft. Nur zusammen mit unseren Freundinnen können wir Schaden von unseren Lieben abwenden; es ist eine Frage des guten Willens und des Zusammenhalts.


Eve Herzogenrath: JULIA ANDERS – SIE SUCHT SIE  - 376 Seiten - Genre: Belletristik