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Christian Krumm

Geboren 1977 in Krefeld begann Krumm im Alter von 19 Jahren in der geschlossenen Psychiatrie zu arbeiten. Die Erfahrungen mit der Wahrnehmung und den Vorstellungen psychisch kranker Patienten erweckten in ihm den Wunsch, Geschichten zu schreiben. Zunächst wurde er jedoch im journalistischen Bereich tätig, schrieb für die Westdeutsche Zeitung Konzertberichte und produzierte einige Radiosendungen für den lokalen Bürgerfunk. Dabei konzentrierte er sich auf alternative Musikrichtungen, insbesondere Heavy Metal, und war selbst in den Bands Whikings und Way Of Joy aktiv. Verschiedene Vorstellungswelten in Einklang zu bringen, wurde mit der Aufnahme des Studiums 1999 in Geschichte, Politik und Niederländisch das Ziel seiner Arbeit. Nationalsozialistische Propaganda und die Fremdwahrnehmung von Ereignissen in Deutschland bis 1945, im Speziellen von niederländischer Seite aus, waren die Themen seiner Magisterarbeit und seiner Dissertation, die er 2009 abschloss. 2010 wurde er mit dem „Dante-Preis der Stadt Krefeld“ von der Deutschen Dante Gesellschaft ausgezeichnet. Das Thema seiner Doktorarbeit ist heute noch die Basis für zahlreiche seiner Vorträge im Rahmen des Science Slam. Schon nach dem Magisterexamen 2004 begann Krumm neben seiner Dissertation die ersten Geschichten und Romanmanuskripte zu verfassen. Dies wurde unterbrochen, als er auf Initiative von Holger Schmenk mit ihm zusammen das Buch „Kumpels in Kutten. Heavy Metal im Ruhrgebiet“ schrieb, das mit seiner Veröffentlichung 2010 eine breite Leserschaft in der Szene fand. Die schon zu Zeiten als Journalist und aktiver Musiker aufgeworfene Frage, wie eine Band erfolgreich werden kann, zieht sich als roter Faden ebenso durch die darauf folgenden Sachbücher „Century Media – Do It Yourself. Die Geschichte eines Labels“ (2012) und „Morgoth – Uncursed. The Morgoth-Chronicles“ (2015). Krumm hierzu: "Besonders 'Do It Yourself" ist von dieser Frage beseelt. Ich habe es auch als Ratgeber für die vielen Bands geschrieben, die mit Leidenschaft an sich und ihrer Musik arbeiten". Unterschiedliche Meinungen und Wahrnehmungen lassen sich unmöglich zu einer einzigen Wahrheit verdichten. Diese Einsicht aus den Erfahrungen seiner Sachbücher ließ er in das sein Romandebüt „At Dawn They Sleep“ (2014) einfließen, dessen Handlung sich in der Metalszene rund um einen Journalisten und eine Band abspielt. „Es ist die erste konsequente Verarbeitung meiner Überzeugung, dass die Wirklichkeit nur ein permanenter Wettstreit von Vorstellungswelten ist. Welche Vorstellungen wann Geltung besitzen, ist keine Frage der Richtigkeit, sondern der Durchsetzungsfähigkeit“, sagt Krumm hierzu. Mit der Vollendung der „Metal-Tetralogie“ aus drei Sachbüchern und einem Roman ist seine Beschäftigung mit der Metal-Szene als Autor beendet. Noch 2013 schrieb er auf Bestreben der Krefelder Theaterregisseurin Yvonne Keßel zehn kurze Geschichten in sieben Wochen, die 2016 unter dem Titel „Traumschrott“ im Verlag Edition Roter Drache erschienen sind.

Die Psychiatrieerfahrung bleibt eine Konstante in Krumms Schreibprozessen, wie „At Dawn They Sleep“ und die Traumschrott-Episode „Der Ausflug“ zeigen. Darüber hinaus zeichnen sich seine Geschichten stets durch überraschende Wendungen aus. Krumm hierzu: „Die meisten Dinge laufen ganz anders, als man es sich vorstellt, und oft erfährt man gar nicht, wie sie eigentlich gelaufen sind. Das ist mit der Historie so, die nur das repräsentiert, was wir den Quellen entnehmen können, und noch viel mehr betrifft das unsere eigene Wirklichkeit. Wir können die Gesamtheit der Einflüsse, die unser Leben bestimmen, nicht erkennen, so wie kein Sturmopfer je den Schmetterling sehen wird, dessen Flügelschlag der Auslöser war. Um dieses Phänomen dreht sich alles, was ich schreibe.“ #christiankrumm

Heaven 11

Klappentext:

So manch hoffnungsvolle Karriere endet im Abgrund!

Diese Erfahrung muss der ehemalige Banker Marc Vossberg machen, der nach einem Burn-Out-Syndrom auf Drängen des Amtes eine Stelle als Aushilfspfleger in der geschlossenen Psychiatrie annehmen musste. Als er erfährt, dass er seinen alten Job wiederbekommen kann, keimt in ihm die Hoffnung auf. Um die Stelle antreten zu können, benötigt er lediglich eine Bescheinigung, dass er gesund ist.

Was zunächst ganz einfach klingt, entpuppt sich immer mehr als großes Problem. Keiner glaubt so recht an seine Diagnose und seine plötzliche Genesung. In seiner Verzweiflung wendet er sich ausgerechnet an den schizophrenen Patienten Gregor Thomè, der ihm dabei helfen soll, die Ärzte zu überlisten.

Denn eine Sache verheimlicht Marc: Das unheimliche Kratzen und Klopfen an seiner Zimmertür, das er seit seiner Krankheit jede Nacht hört. Christian Krumm, (*1977) ist Autor von Gegenwartsliteratur, mit der er stets die Grenze von Phantasie und Wirklichkeit überschreitet. Was er mit seiner Kurzgeschichtensammlung Traumschrott bereits andeutete, führt er nun in dem Roman Heaven 11 konsequent fort. Seine Erfahrungen aus fünf Jahren Arbeit in der geschlossenen Psychiatrie sind zu einer Geschichte geworden, in der die Realität einen aussichtlosen Kampf gegen die Einbildungskraft des Menschen führt.